Wirbelsäulenerkrankungen bei Hund und Katze

Wenn jede Bewegung schmerzt oder die Beine nicht mehr richtig mitmachen, steckt oft ein Problem an der Wirbelsäule beim Hund oder bei der Katze dahinter. Manchmal ist auch das Rückenmark selbst erkrankt, das im Inneren der Wirbelsäule verläuft. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung zeigt, wo die Ursache liegt – und welche Behandlung Ihrem Tier hilft.

Neurologische Abklärung durch eine Spezialistin · MRT und CT direkt im Haus · Behandlung, Physiotherapie und Nachsorge aus einer Hand

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Mag. Pia Reffi

Diplomate ECVN, Spezialistin für Neurologie beim Klein- und Heimtier, Leitende Oberärztin der Abteilung für Neurologie

Wann sollte Ihr Tier neurologisch untersucht werden?

  • Rücken- oder Nackenschmerzen: Ihr Tier möchte sich nicht bewegen, jault beim Hochheben oder hält den Kopf ungewöhnlich steif.
  • Schwäche oder Lähmung: Die Beine knicken weg, Ihr Tier kommt nicht mehr hoch oder die Pfoten schleifen über den Boden.
  • Unsicherer Gang: Ihr Tier schwankt, stolpert oder setzt die Pfoten ungewöhnlich auf.
  • Veränderte Beweglichkeit: Stiegensteigen, Springen oder Aufstehen fällt zunehmend schwer.

Fieber und starke Schmerzen? Hat Ihr Tier zusätzlich Fieber, kann eine Entzündung dahinterstecken – etwa eine SRMA oder eine Entzündung von Bandscheibe und Wirbeln (Diskospondylitis). Bitte lassen Sie das rasch tierärztlich abklären.

Nicht jede Lahmheit kommt von Knochen oder Gelenken. Drückt etwa Bandscheibenmaterial auf eine Nervenwurzel (also dort, wo ein Nerv aus dem Rückenmark austritt), kann ein Hund plötzlich stark lahmen – obwohl das Bein selbst gesund ist. Unsere Spezialistin unterscheidet durch eine gezielte neurologische Untersuchung, ob die Beschwerden vom Bewegungsapparat oder vom Nervensystem ausgehen. Gemeinsam mit unserem Chirurgie- und Physiotherapie-Team planen wir anschließend die passende Behandlung.

Häufige Erkrankungen der Wirbelsäule und ihre Ursachen

Degenerative Erkrankungen (Verschleiß)

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenmaterial drückt auf das Rückenmark oder auf Nerven. Die Folgen reichen von Schmerzen über einen unsicheren Gang bis zur Lähmung. Mehr dazu auf unserer Seite zum Bandscheibenvorfall.

Cauda-equina-Syndrom (degenerative lumbosakrale Stenose)

Am Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein kann der Wirbelkanal durch Verschleiß enger werden – etwa durch einen Bandscheibenvorfall, knöcherne Zubildungen oder eine Instabilität der Wirbel. Dadurch geraten die Nerven am Ende des Wirbelkanals unter Druck. Fachleute nennen dieses Nervenbündel wegen seiner Form „Cauda equina“ (Pferdeschweif). Typisch sind Schmerzen im unteren Rücken, Probleme beim Aufstehen und Springen, ein hängender Schwanz und später eine Schwäche der Hinterbeine. Betroffen sind häufig größere, ältere Hunde.

Wobbler-Syndrom

Bei diesem Krankheitsbild ist der Wirbelkanal im Bereich der Halswirbelsäule eingeengt. Das Rückenmark gerät unter Druck, die Hunde gehen wackelig und unkoordiniert – vor allem mit den Hinterbeinen. Häufig betroffen sind große Rassen wie Doggen und Dobermänner.

Degenerative Myelopathie

Eine langsam fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks bei älteren Hunden. Sie ist nicht schmerzhaft: Die Hinterbeine werden über Monate schwächer, die Pfoten schleifen, der Gang wird unsicher. Da andere Ursachen ähnlich aussehen können, ist eine gründliche Abklärung wichtig. Ziel der Behandlung ist es, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten – vor allem mit Physiotherapie.

Entzündliche Erkrankungen

Entzündungen können vom eigenen Immunsystem ausgelöst werden (immunvermittelt) oder durch Erreger entstehen (infektiös) – etwa durch Bakterien, Viren oder Einzeller wie Toxoplasmen und Neosporen. Selten stecken auch sogenannte Reisekrankheiten dahinter, also Infektionen, die Hunde etwa von Reisen in den Süden mitbringen – mehr dazu auch unter unserer Reise- und Infektionsmedizin.

  • SRMA (Steroid-responsive Meningitis-Arteriitis): eine immunvermittelte Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute und ihrer Blutgefäße. Sie tritt vor allem bei jungen Hunden auf und zeigt sich durch Fieber, starke Nackenschmerzen und einen steifen Gang.
  • MUO (Meningoenzephalomyelitis unbekannter Ursache): eine immunvermittelte Entzündung von Gehirn, Rückenmark und den umgebenden Häuten, deren genauer Auslöser sich nicht bestimmen lässt. Sie kann auch nur das Rückenmark betreffen.
  • Diskospondylitis: eine infektiöse Entzündung der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbel, meist durch Bakterien – oft sehr schmerzhaft.
  • Infektiöse Myelitis und spinales Empyem: eine durch Erreger ausgelöste Entzündung des Rückenmarks bzw. eine Eiteransammlung im Wirbelkanal.
  • FIP bei der Katze: Die Feline Infektiöse Peritonitis ist eine Viruserkrankung, die auch Gehirn und Rückenmark befallen kann.

Durchblutungsstörungen des Rückenmarks

Sie treten meist ganz plötzlich auf, oft auf einer Körperseite stärker als auf der anderen. Ein Beispiel ist die fibrokartilaginöse Embolie (FCE): Dabei verstopft ein winziges Stück Bandscheibenmaterial ein Blutgefäß im Rückenmark.

Verletzungen

Nach einem Unfall oder Sturz können Wirbel brechen (Wirbelfraktur) oder sich gegeneinander verschieben (Luxation) und dabei das Rückenmark verletzen.

Angeborene Fehlbildungen und Instabilitäten

Angeborene Veränderungen oder instabile Wirbel können Rückenmark und Nerven beeinträchtigen.

Entzündungen von Gelenken und Muskeln

Nicht immer liegt die Ursache an der Wirbelsäule. Eine Entzündung mehrerer Gelenke (Polyarthritis) oder der Muskulatur (Myositis) kann ähnliche Beschwerden verursachen – etwa einen steifen Gang, Schmerzen oder Fieber. Auch das klären wir ab.

Spondylose beim Hund: meist harmlos

Bei einer Spondylose (Spondylosis deformans) bilden sich an den Wirbelkörpern knöcherne Zubildungen. Sie entstehen als Folge des natürlichen Verschleißes der Bandscheiben – begünstigt durch Alter, Körpergröße, Belastung, frühere Verletzungen, Aktivität und Veranlagung. Die Spondylose ist kein entzündlicher Vorgang und keine eigenständige Diagnose, sondern ein Befund im Röntgenbild. Sehr viele Hunde haben eine Spondylose, ohne jemals Beschwerden zu bekommen.

Hat Ihr Hund Schmerzen oder Gangprobleme, steckt deshalb meist eine andere Ursache dahinter – etwa eine Einengung am Übergang zum Kreuzbein (Cauda-equina-Syndrom) oder eine Instabilität der Wirbelsäule. Das klären wir mit einer neurologischen Untersuchung und bei Bedarf mit einer MRT ab.

Wann ist es ein Notfall?

Bitte kommen Sie sofort in die Klinik, wenn Ihr Tier:

  • plötzlich nicht mehr gehen oder stehen kann,
  • innerhalb kurzer Zeit immer schwächer wird,
  • starke Schmerzen hat oder nach einem Unfall gestürzt ist.

Gerade bei einer plötzlichen Lähmung oder starken, plötzlich auftretenden Schmerzen ist schnelles Handeln wichtig. Unser Notdienst versorgt Ihr Tier rund um die Uhr, auch ohne Termin. Ein kurzer Anruf vorab ist empfehlenswert – so kann sich unser Team schon auf Ihr Tier einstellen.

Abklärung: Schritt für Schritt zur Diagnose

  1. Neurologische Untersuchung: Wir beurteilen das Gangbild, die Korrekturreaktionen (zum Beispiel, ob Ihr Tier eine umgeknickte Pfote sofort richtig zurückstellt), die Reflexe, wo genau der Schmerz sitzt und ob in den Beinen noch Schmerzempfinden vorhanden ist. So lässt sich eingrenzen, welcher Abschnitt von Wirbelsäule oder Rückenmark betroffen ist und wie schwer.
  2. MRT oder CT: Die Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt Rückenmark, Bandscheiben und Nerven genau. Die Computertomographie (CT) eignet sich besonders zur Darstellung der Knochen.
  3. Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf eine Entzündung oder einen Tumor untersuchen wir die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.
  4. Blut- und weitere Laboruntersuchungen: z. B. bei Fieber oder zur Suche nach Erregern.

Alle Untersuchungen finden direkt bei uns im Haus statt.

Behandlung und Nachsorge

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:

  • Bandscheibenvorfall und Einengungen des Wirbelkanals (z. B. Cauda-equina-Syndrom, Wobbler-Syndrom): Je nach Schweregrad behandeln wir mit Schmerzmitteln, strenger Ruhe und Physiotherapie. Drückt das Gewebe stark auf Rückenmark oder Nerven, kann eine Operation durch unser Chirurgie-Team nötig sein.
  • Immunvermittelte Entzündungen (z. B. SRMA, MUO): Medikamente, die das Immunsystem dämpfen – oft über mehrere Monate, mit regelmäßigen Kontrollen.
  • Infektiöse Entzündungen (z. B. Diskospondylitis): gezielte Behandlung gegen den Erreger, bei Bakterien mit Antibiotika über mehrere Wochen – bei Bedarf gemeinsam mit unserer Abteilung für Reise- und Infektionsmedizin.
  • Degenerative Myelopathie: Physiotherapie und Bewegung, um Kraft und Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten.
  • Tumoren: Wir besprechen die Möglichkeiten ausführlich mit Ihnen. Infrage kommen Medikamente oder eine Operation. Ist eine Strahlentherapie sinnvoll, überweisen wir Sie dafür an die Veterinärmedizinische Universität Wien.
  • Verletzungen der Wirbelsäule: Erstversorgung durch unseren Notdienst, je nach Befund behandeln wir mit Medikamenten, Ruhe oder einer Operation.
  • Begleitend: Unser Physiotherapie-Team hilft Ihrem Tier, Kraft, Koordination und Beweglichkeit zurückzugewinnen – bei Bedarf auch während eines stationären Aufenthalts.
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FAQs – Häufige Fragen zu Erkrankungen der Wirbelsäule

Nicht unbedingt. Viele Erkrankungen der Wirbelsäule lassen sich ohne Operation behandeln. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, entscheiden wir nach der Untersuchung und der Bildgebung – und besprechen es ausführlich mit Ihnen.

Eine Einengung am Ende der Lendenwirbelsäule, die meist durch Verschleiß entsteht und die dort verlaufenden Nerven unter Druck setzt. Typisch sind Schmerzen im unteren Rücken und Probleme beim Aufstehen oder Springen.

Die SRMA wird mit Medikamenten über mehrere Monate behandelt. Die meisten Hunde sprechen gut darauf an. Rückfälle sind möglich, deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Ja. Auch bei Katzen kommen zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Entzündungen, Tumoren oder Verletzungen der Wirbelsäule vor. Bei Katzen kann außerdem die Viruserkrankung FIP Gehirn und Rückenmark betreffen.

Nein. Sie können direkt einen Termin vereinbaren. Wenn Ihr Tier bereits bei Ihrer Haustierärztin oder Ihrem Haustierarzt untersucht wurde, bringen Sie bitte Befunde und Röntgenbilder mit.

Das sagen unsere Kund:innen

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